Seit Jahren geistert in den Medien die Renaissance der Atomkraft
herum, mit neuen modularen kleinen Atomreaktoren (SMR). Insbesondere das
medial hochgepushte Buch von Bill Gates zur Bekämpfung des Klimawandels
stellt die Atomenergie als Lösung für das Klimaproblem in den
Mittelpunkt und darin neue kleine modulare Kernreaktoren - von Hans-Josef Fell.

Offensichtlich ist es der Versuch von Bill Gates, seine massiven Fehlinvestitionen
in seine Atomfirma Terra Power noch irgendwie zu retten. Gates behauptet
wie viele andere Atombefürworter, dass neue Reaktorkonzepte,
kostengünstig Strom erzeugen könnten, schnell zu bauen seien und
gleichzeitig die Sicherheits- und Atommüllprobleme lösen würden. Doch
wissenschaftlich belastbare Belege konnte bisher niemand aus der
Atomszene für solche Behauptungen vorlegen, geschweige denn ein
realisiertes kommerzielles Projekt dazu. Außer vielen Konzepten auf dem
Papier gibt es dazu nichts Greifbares. Die einzigen, bisher verwirklichten kleinen Reaktoren sind
allerhöchsten Forschungs- oder Demonstrationsprojekte und erzeugen –
wenn überhaupt – sehr teuer Strom. Das vielgepriesene Atomschiff KLT-40s
in Russland (siehe Bild) erzeugt Strom zu Preisen jenseits von Gut und Böse titelte der MDR im letzten September. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtete,
gibt es erstmals zwei umfassende wissenschaftliche Untersuchungen zu
den in der Atomkraftunterstützerszene stetigen Behauptungen zu neuen
Reaktorkonzepten.
„In absehbarer Zeit können möglicherweise zur Verfügung stehende
Atom-Technologien weder die Altlasten der Atomenergie-Nutzung beseitigen
noch die jetzt anstehenden Zukunftsfragen des Klimawandels
beantworten“. Das ist das zentrale Fazit von Wolfram König, Präsident
des Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) zu
einem Einsatz von Transmutation als Atommüllentsorgung in neuen
Reaktorkonzepten.
Wolfram König weiter zu SMRs: „Wir müssen konstatieren: Keine der
diskutierten Technologien ist derzeit am Markt verfügbar. Es ist auch
nicht absehbar, ob sie es künftig sein werden. Gleichzeitig werden sie
verbunden mit Versprechen, die oftmals stark denen ähneln, die bereits
mit der ersten Generation von Reaktoren in den 1950ern und 1960er Jahren
des vergangenen Jahrhunderts gemacht worden waren.“
Die vielen Behauptungen der Atomkraftlobby und auch von Bill Gates,
wonach es in absehbarer Zeit mit neuen Reaktorkonzepten wirtschaftliche
Lösungen zu den Fragen Atommüllentsorgung und schnellem Ausbau kleiner
modularer Reaktoren gäbe, entpuppen sich also bei einem genauen
wissenschaftlich fundiertem Blick als das, was die Atomlobby schon immer
gut konnte: Propaganda für die eigene Atomsache ohne substanzielle
Basis.
Dass die Atomlobby auf solche Luftschlösser setzt ist klar. Die
wesentlich billigere Konkurrenz der Erneuerbaren Energien sitzt ihr im
Nacken und sie muss fürchten, dass sie im kommenden Jahrzehnt völlig in
der energiepolitischen Bedeutungslosigkeit versinken wird. Alleine in
den USA werden in diesem Jahr 5 Atomblöcke abgeschaltet, weil die
Konkurrenz der Erneuerbaren Energien billiger und verlässlicher Strom
erzeugen.
Seit über 20 Jahren wird von der Atomlobby aber immer wieder eine
Renaissance der Atomenergie herbeigeredet. Dass es diese auch heute
nicht gibt, hat erst der jüngste Nuclear Statusbericht von Micheal
Schneider klar aufgezeigt. Seit vielen Jahren werden in der Welt mehr Atomreaktoren abgeschaltet als neue zugebaut.
So deckte die Atomkraft 2019 nur noch rund 10 Prozent des globalen
Strombedarfs. 1996 war der Anteil am höchsten und lag bei 17,5 Prozent.
Die Atomenergie kann also keinen Beitrag zum Klimaschutz
liefern, dagegen sind die Probleme der Atomkraft weiterhin nicht
beherrschbar.
- So gibt es weltweit kein funktionierendes Endlager, obwohl seit
über 70 Jahren an Endlagern geforscht und entwickelt wird. Die Probleme
sind einfach zu groß.
- Der Uranbergbau schafft immer größere
Umweltprobleme, wie radioaktiv verseuchte Giftmüllseen oder einen
immensen Wasserverbrauch sowie massive Menschenrechtsverletzungen.
- Die nukleare Aufrüstung nimmt massiv zu, die Atomreaktoren liefern das Waffenmaterial dafür.
- Die
Gefahren eines SuperGAUs wie in Tschernobyl oder Fukushima schweben
weiter über allen Atomreaktoren, insbesondere weil sie nicht ausreichend
gegen Terrorangriffe geschützt sind.
Dass die Argumente der Atomenergie-Befürworter*innen trotz alle
offensichtlichen und höchst bedrohlichen Probleme auch in der deutschen
Politik weiterhin gehört werden, zeigen auch die Worte vom amtierenden CDU-Parteichef Armin Laschet vom Dezember 2019:
“Wenn das CO₂ und das Weltklima das größte Problem sind, um das wir uns
kümmern müssen, war die Reihenfolge zumindest falsch.” Die Ansicht,
dass der Atomausstieg dem Klimaschutz zuwiderläuft ist leider auch heute
noch weit verbreitet. Dabei gibt es für die Zukunft unserer
Energieversorgung keine kosteneffiziente und umweltverträgliche
Alternative zu den Erneuerbaren.
Es bleibt nur der Weg des schnellen disruptiven Ausbaus der
Erneuerbaren Energien und der wird leichter, wenn Medien und öffentliche
Debatte endlich aufhören die Propaganda-Argumente der Atomwirtschaft
aufzugreifen und statt dessen mit den wissenschaftlich klar belegten
Analysen die Bevölkerung aufklären: Die Atomenergie hat keine Zukunft,
ist kein Beitrag zum Klimaschutz und muss endlich umfassend abgeschafft
werden, damit die durch sie verursachten Probleme wenigstens nicht immer
noch größer werden.
Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) hatte die beiden Untersuchungen in Auftrag gegeben:
^^^ Nach oben