Donnerstag, 7. Mai 2026

Appell der Zivilgesellschaft: Nein zu neuen Atomkraftwerken

Mit einem breiten Appell, getragen von über 40 Persönlichkeiten aus Kultur und Sport, ruft die Ziviligesellschaft die Politik dringend dazu auf, keine neuen AKW zuzulassen und die Schweiz vor einer teuren und gefährlichen Kehrtwende zu bewahren. Nach dem Ständerat entscheidet als nächstes der Nationalrat über das Geschäft. 

2017 hat die Schweizer Stimmbevölkerung den Atomausstieg beschlossen – ein klares demokratisches Signal, das seither mehrmals bestätigt worden ist. Der Ständerat hat es in der Frühlingssession 2025 leichtfertig übergangen und den Vorschlag des Bundesrats, das AKW-Neubauverbot aufzuheben, angenommen. Jetzt ist der Nationalrat gefragt.

Bekannte Persönlichkeiten engagieren sind gegen die Atom-Kehrtwende

Jetzt regt sich der Widerstand der Zivilbevölkerung. Sie richtet einen dringenden Appell an die Politik, das Neubauverbot zu bewahren. Der Appell wird von über 40 Erstunterzeichnenden getragen. Dazu gehören Persönlichkeiten wie Regisseurin Katja Früh, Sänger und Produzent Dodo, OL-Weltmeisterin Simone Niggli Luder und Kabarettist Franz Hohler. Für die Unterzeichnenden hätte ein Kurswechsel verheerende wirtschaftliche und sicherheitspolitische Folgen und wäre in jeder Hinsicht falsch: 

  • Der Bau eines neuen AKW kostet Steuerzahlende und Stromkonsumentinnen mindestens 25 Milliarden Franken, während günstigere Alternativen längst verfügbar sind.
  • Neue AKW zementieren die Abhängigkeit von Uran-Importen aus Russland und Kasachstan, obwohl Sonne, Wind und Wasser einheimisch und unerschöpflich verfügbar sind. 
  • AKW sind Ziele in bewaffneten Konflikten, das Atommüllproblem bleibt ungelöst, und jedes neue Kraftwerk erhöht das Risiko nuklearer Katastrophen für Mensch und Umwelt.

Öffentlicher Appell zur Unterschrift

Die Unterzeichnenden fordern den Nationalrat auf, die Streichung des AKW-Neubauverbots abzuwenden und die Schweiz damit vor einer teuren und gefährlichen Atom-Kehrtwende zu bewahren. Stattdessen sollen er auf eine sichere, unabhängige und bezahlbare Schweizer Stromversorgung setzen – mit der bewährten und von der Stimmbevölkerung geforderten Energiewende. 

Sie rufen die Bevölkerung dazu auf, den Appell mitzuunterschreiben: https://www.neue-akw-nein.ch/appell-nationalrat

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Dienstag, 5. Mai 2026

Wasserkraft Schweiz: Statistik 2025

Am 1. Januar 2026 waren in der Schweiz 706 Wasserkraft-Zentralen mit einer Leistung von über 300 Kilowatt in Betrieb (1.1.2025: 703 Zentralen). Die zu erwartende mittlere Energieproduktion der in der Wasserkraftstatistik enthaltenen Kraftwerke lag 2025 bei 37'162 GWh/a (Gigawatt-Stunden pro Jahr) und somit unter dem Vorjahreswert von 37'350 GWh/a.

Der Zubau durch Erneuerungen und Neubauten betrug rund 50 GWh/a, wovon die Neuinbetriebnahme des Laufkraftwerks Sousbach in Lauterbrunnen mit 30.5 GWh/a den grössten Anteil hatte. Zudem konnte auch auch die Anlage in Bondo wieder in Betrieb genommen werden, nachdem diese nach dem Bergsturz von 2017 wieder neu aufgebaut werden musste. Im Jahr 2025 standen 12 Zentralen im Umbau und 6 Zentralen im Bau mit zu erwartenden Produktionsausbau von knapp 40 GWh/a.

Durch die regelmässige Aktualisierung der mittleren Produktionserwartung der bestehenden Anlagen resultierte eine Abnahme von 188 GWh im Jahr 2025. Verantwortlich dafür waren unter anderem diverse Datenaktualisierungen mit Restwassersanierungen wie auch die niedrigen Zuflüsse im vergangenen Jahr. Zudem sind zwei Zentralen nach dem schweren Unwetter im 2024 im Wallis weiterhin ausser Betrieb, wobei das grosse Rhône-Kraftwerk in Susten-Chippis (mittlere Produktionserwartung 215 GWh) am meisten ins Gewicht fällt. Die Produktionserwartung dieser beiden Zentralen musste daher temporär auf Null gesetzt werden.

Die Kantone mit der grössten Produktionserwartung sind das Wallis mit 10'469 GWh/a (28.1%), Graubünden mit 7'919 GWh/a (21.4%), Tessin mit 3'485 GWh/a (9.4%) und Bern 3'424 GWh/a (9.2%).

Zunahme der jährlichen Wasserkraftproduktion bis 2035

Gemäss dem geltenden Energiegesetz soll die durchschnittliche jährliche Wasserkraftproduktion bis 2035 auf 37'900 GWh ansteigen. Die Entwicklung wird im Rahmen des «Monitoring Energiestrategie 2050» beobachtet. Das Monitoring stützt sich auf die vorliegende Statistik der Wasserkraft. Für das Monitoring wird jedoch von der erwarteten Energieproduktion gemäss Statistik der wirkungsgradbereinigte Verbrauch der Zubringerpumpen abgezogen und danach die Produktion der Wasserkraftwerke < 300 kW addiert. Für das Monitoring ergibt sich damit für 2025 eine durchschnittliche inländische Produktion von 36'724 GWh/a (minus 176 GWh gegenüber dem im Vorjahr gemeldeten Wert).

Storymap «Die bedeutendsten Wasserkraftanlagen der Schweiz»

Mit Wasserkraft wurden 2025 rund 58.5% (10jähriger Mittelwert) des inländischen Stroms erzeugt. Mit der Storymap des Bundesamt für Energie (BFE) wird die Statistik der Wasserkraft auf spielerische Art zugänglich gemacht. Sie visualisiert die Wasserkraftanlagen mit einer Leistung grösser als 300 kW gemäss ihrer Bedeutung für die Stromproduktion und zeigt, wo sie sich befinden und durch welche Zuflüsse sie gespeist werden.

Storymap «Wasserkraft: die speicherbare Energie»

Die Bedeutung der Energiespeicherung für die Versorgungssicherheit nimmt zu. Wasserkraftwerke spielen dabei eine wesentliche Rolle für die Schweiz. Die Storymap des BFE zur speicherbaren Wasserkraft veranschaulicht, welche Anlagen in der Schweiz wie stark zur Speicherung beitragen und wie der jeweilige Speicheranteil im Verhältnis zur Gesamtproduktion aussieht.

Links:

Statistik der Wasserkraftanlagen der Schweiz

Storymap «Die bedeutendsten Wasserkraftanlagen der Schweiz»

Storymap «Wasserkraft: die speicherbare Energie»

Monitoring Energiestrategie 2050

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Sonntag, 3. Mai 2026

«Tage der Sonne» machen Lösungen erlebbar

Die Energiewende ist machbar – und sie beginnt jetzt. Rund um den internationalen Tag der Sonne am 3. Mai finden vom 2. bis 10. Mai in der ganzen Schweiz die «Tage der Sonne» statt. Die Veranstaltungsreihe setzt ein klares Zeichen: Die Lösungen für eine nachhaltige Energiezukunft sind vorhanden. Was es jetzt braucht, ist gemeinsames Handeln.

Während der Bau neuer Atomkraftwerke wieder diskutiert wird, droht diese Diskussion den Ausbau erneuerbarer Energien zu verzögern statt zu beschleunigen. Dabei zeigt sich: Solarenergie und andere erneuerbare Technologien sind heute schneller, günstiger und breit verfügbar.

In Basel wird die Energiewende zur Gemeinschaftsaufgabe: Hier haben sich für die «Tage der Sonne» ungewöhnlich viele Akteurinnen und Akteure zusammengeschlossen, um Lösungen gemeinsam erlebbar zu machen. «Die Energiewende ist eine Herausforderung, die wir gesamtgesellschaftlich angehen müssen, alle können mithelfen: vom Versorgungsunternehmen über die Politik bis hin zu Unternehmen und Privatpersonen», sagt Francesco Vazzano von den Industriellen Werken Basel IWB. «Basel gehört mit rund 1’500 bis 1’700 Sonnenstunden pro Jahr zu den sonnenreichen Städten im Schweizer Mittelland und profitiert besonders im Herbst und Winter von häufigeren Nebelauflösungen – gute Voraussetzungen für die Nutzung von Solarenergie.»

Organisiert vom ersten Verein für erneuerbare Energien der Schweiz, der über 50-jährigen SSES, gemeinsam der IWB, Planeco, Sonnwende, Energiewendegenossenschaft Basel, Solarbalkon und dem Verein Nomatark, sowie mit IWB und dem Swisslosfonds Basel-Stadt als Hauptsponsoren, entsteht ein offener und kollaborativer Anlass für alle. Ob Familien, Mieterinnen und Eigentümer, Unternehmen, Stiftungen oder DIY-Begeisterte – die Veranstaltung bietet vielfältige Möglichkeiten, selbst aktiv zu werden.

Die Energiewende braucht Hände

Im Zentrum steht die Idee: Die Energiewende braucht keine Atomkraft – sie braucht Menschen, die anpacken.
«Es ist wichtig, Solarenergie greifbar zu machen. Deswegen veranstalten wir sonnenbetriebene Events – man lernt dazu und hat Spass dabei», erklärt Fabian Müller vom Verein Nomatark, die mit ihrer solarbetriebenen Stage und Umweltkino vor Ort sind.

Das Programm ist entsprechend praxisnah und interaktiv gestaltet: In Workshops können Besucherinnen und Besucher eigene Solarbalkon-Anlagen bauen oder aus alten E-Bike-Batterien eine Second-Life-Powerbank herstellen. Die Energiewendegenossenschaft zeigt live, wie Solaranlagen im Selbstbau realisiert werden können. «Wir können viel bewegen, wenn wir unsere eigene Selbstwirksamkeit spüren. Beim Bauen der eigenen Anlage, ist der eigene Impact unmittelbar erlebbar», sagt Eliane Zumstein von der Energiewendegenossenschaft Basel.

Ein Highlight ist der «SolarButterfly», der die Welt umrundet hat und den Klimawandel anschaulich vermittelt – ergänzt durch Quiz und Informationsangebote. Im Forum im kHaus finden zudem Veranstaltungen für unterschiedliche Zielgruppen statt: Mieterinnen, Eigentümer, Unternehmen und Stiftungen erhalten konkrete Einblicke in die Nutzung von Solarenergie. Beim Podium «Warum Solar?» teilen Anlagenbesitzende ihre Erfahrungen und geben praktische Tipps.

Weitere Programmpunkte reichen vom Mini-Solarmobil-Wettrennen über eine solarbetriebene Musikbühne bis hin zu Sonnenyoga. Am Sonntag folgt ein Podium zur solaren Architektur mit anschliessender Schweizer Premiere des Films «The Sun Queen» im solarbetriebenen Umweltkino.

Die «Tage der Sonne» sind damit weit mehr als nur eine Veranstaltung – sie sind ein Startpunkt. Ein Moment, um sich zu vernetzen, zu lernen und selbst Teil der Energiewende zu werden. Denn eine lebenswerte Zukunft entsteht nur, wenn wir sie gemeinsam gestalten.

Informationen und Kontaktangaben: 

Das gesamte Festivalprogramm finden Sie unter www.tagedersonne.ch/festival

Linda Wachtarczyk | T +4178 810 21 66 | linda.wachtarczyk@sses.ch
Schweizerische Vereinigung für Sonnenenergie | Aarbergergasse 21 | CH-3011 Bern |
www.sses.ch

Francesco Vazzano | T +41 61 275 34 21 | francesco.vazzano@iwb.ch
IWB | Margarethenstrasse 40 | Postfach | CH-4002 Basel | www.iwb.ch

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Samstag, 2. Mai 2026

Solaraktienindex PPVX zwar hinter Erdölaktien - aber doch auch im Plus





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Der Solaraktienindex PPVX erscheint auf Solarmedia jeden Monat neu
  

Donnerstag, 30. April 2026

Atomkraft stagniert und bleibt in einer Talsohle

 Der globale Markt für Atomkraftwerke kommt auch 2025 - wie bereits in den Vorjahren - nicht aus der Talsohle heraus. Eine Renaissance mit signifikantem Marktwachstum ist weiterhin nicht in Sicht. 
Nach Angaben der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) sind im Jahr 2025 weltweit drei neue Atomkraftwerke in Betrieb gegangen (2024: sechs). Gleichzeitig wurden sieben ältere Anlagen endgültig stillgelegt (2024: vier). Unter dem Strich ergibt sich damit ein Netto-Rückgang.

Insgesamt sind laut IAEA (Stand: 27.04.2026) im Jahr 2025 neue Kernkraftwerke mit einer Nettoleistung von 2.956 MW ans Netz angeschlossen worden (2024: 6.813 MW). Die Inbetriebnahmen erfolgten in Russland (Kursk 2-1, 1.200 MW), Indien (Rajasthan-7, 630 MW) und China (Zhangzhou-2, 1.126 MW). Im gleichen Zeitraum wurden weltweit Kernkraftwerke mit einer Nettoleistung von insgesamt 2.823 MW stillgelegt (2024: 2.891 MW). In Belgien betrifft dies die Anlagen Doel 1 und Doel 2 (je 445 MW) sowie Tihange-1 (962 MW). Hinzu kommen die Abschaltung des letzten in Betrieb befindlichen Atomkraftwerks in Taiwan, Maanshan-2 (938 MW), sowie die Stilllegung von drei kleineren Anlagen Bilibino-2, -3 und -4 (je 11 MW) in Russland.

In der Jahresbilanz 2025 ergibt sich aus Zubau (2.956 MW) und Stilllegungen (2.823 MW) ein geringer weltweiter Nettozuwachs von 133 MW Atomkraftwerksleistung. „Die häufig angekündigte Renaissance der Atomenergie fällt auch 2025 aus“, so Dr. Norbert Allnoch, Geschäftsführer des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien (IWR).

Die Ursachen für das weiterhin schwache Wachstum des globalen Marktes bleiben unverändert, so Allnoch: sehr hohe Investitionskosten, lange Bauzeiten von 10 bis 15 Jahren in einem dynamischen Energiemarktumfeld mit schwer prognostizierbaren Rahmenbedingungen sowie erhebliche Finanzierungsrisiken, die in der Praxis meist nur von staatlichen Akteuren getragen werden können. Zudem ist die Zahl der Unternehmen, die Atomkraftwerke planen, bauen und exportieren können, sehr begrenzt - überwiegend handelt es sich um Staatsunternehmen.
 

Dienstag, 28. April 2026

Tschernobyl 40 Jahre nach Atomkatastrophe


© Fotolia.com | jah_unit | Tschernobyl

Nur dezentrale Erneuerbare Energien machen resilient und unabhängig: Zum 40. Jahrestag der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl erklärt der Präsident der Europäischen Vereinigung für Erneuerbare Energien – EUSOSOLAR e.V., Stephan Grüger: „Wer heute wieder für die Atomkraft trommelt, hat aus der Nuklearkatastrohe von Tschernobyl nichts gelernt. Der Super-GAU hat die europäische Geschichte verändert und wirkt bis heute nach. Die Vertuschungsversuche und die falschen Schuldzuschreibungen durch die Regierung und die Behörden der UdSSR haben deren Niedergang und Zerfall beschleunigt.

Heute ist die Ukraine, auf deren Territorium Tschernobyl liegt, ein souveräner Staat, der seit Jahren von Russland mit Krieg überzogen wird. Die EU versucht daher, dass Erpressungspotenzial Russlands gegenüber den Mitgliedsstaaten der EU zu reduzieren. Europas Atomkraftwerke sind aber zum großen Teil von Uran-Importen aus Russland und vom russischen Staatskonzern Rosatom abhängig. Rund 40 Prozent des von der EU importierten Urans stammen aus Russland und aus dem mit Russland verbündeten Kasachstan. In Osteuropa sind 18 Atomkraftwerke sogar zu 100 Prozent von russischen Brennelementlieferungen abhängig.

In der EU wird kein Uran gefördert. Vor diesen Hintergrund ist es absurd, dass die EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen von Energieunabhängigkeit durch Atomkraft fabuliert, zumal die Kosten neuer Atomkraftwerke sehr viel höher sind, als die Stromerzeugung auf der Basis nahezu aller anderen Energieträger, besonders der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien. Atomkraft ist nicht nur für die Gesundheit der Menschen gefährlich, sondern auch für die Wirtschaft, Energiesicherheit und Unabhängigkeit der EU und ganz besonders Deutschlands.

Der 40. Jahrestag des Super-GAU in Tschernobyl mahnt uns – genauso wie die steigenden Preise von Öl und Erdgas – den Ausbau der Erneuerbaren Energien zu beschleunigen, um in Europa unabhängig von Uranimporten und fossilen Energien zu werden.“

Quelle: EUROSOLAR 2026

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Freitag, 24. April 2026

Farbige Folien für Muster auf PV-Modulen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE ist es gelungen, farbige Folien mit transparenten Aussparungen zu versehen und so realistisch aussehende Motive auf Photovoltaikmodulen zu erzeugen. Auf diese Art können zum Beispiel Dachziegel imitiert werden. Die Folienschnittmuster nutzen die MorphoColor®-Technologie, eine Erfindung des Forschungsinstituts, bei der ein Farbeindruck erzeugt wird, ohne dass die Effizienz eines PV-Moduls nennenswert beeinträchtigt wird. Besucherinnen und Besucher der Messe The Smarter E / Intersolar 2026 können mit »ShadeCut« ausgestattete PV-Module am Stand A1.440 des Fraunhofer ISE besichtigen.

© Fraunhofer ISE/ Marco Ernst
Mit den Folienschnittmustern können zum Beispiel Dachziegel imitiert werden, ohne die Effizienz des PV-Moduls nennenswert zu beeinträchtigen.

»Durch gezielte Strukturierungen und Aussparungen auf einer farbgebenden Folie können wir Farbeffekte und komplexe Muster direkt in Solarmodule und Fassadenelemente integrieren«, erklärt Marco Ernst, Entwickler der »ShadeCut«-Technik und Wissenschaftler am Fraunhofer ISE. »Zusätzlich gibt es die Option weitere Schichten mit Aussparungen zu ergänzen, um Strukturen oder weitere Farben zu erzeugen.«

Die Technik kann auf allen gängigen Photovoltaik- und Solarthermie-Module angewandt werden, das gewünschte Muster wird in die Folien mit MorphoColor®-Beschichtung durch Laser- oder CAD-gesteuerte Prozesse geschnitten.

»Interessant ist die Technik für Module zur Integration in Fassaden, dachintegrierte PV oder auch an Geländern; insbesondere bei denkmalgeschützten Gebäuden«, sagt Dr. Martin Heinrich, Gruppenleiter für Einkapselung und Integration von Photovoltaik am Fraunhofer ISE. »Module mit ShadeCut können wie Mauerwerk oder Dachziegel aussehen und sich farblich perfekt einpassen. Auch eine individuelle Gestaltung von PV-Anlagen zum Beispiel mit Logo-Schriftzug oder Mustern kann man damit umsetzen.«

© Fraunhofer ISE / Foto: Marco Ernst
Auch eine individuelle Gestaltung von PV-Anlagen zum Beispiel Schriftzügen oder Mustern macht ShadeCut möglich.

Die MorphoColor®-Technologie für die Farbe ist vom gleichnamigen Schmetterling inspiriert. Die 3D-photonischen Strukturen auf den Schmetterlingsflügeln erlauben einen intensiven und winkelstabilen Farbeindruck durch einen grundsätzlich verlustarmen Interferenzeffekt. Nach diesem biologischen Vorbild ist es einem Forschungsteam vom Fraunhofer ISE gelungen, eine ähnliche Oberflächenstruktur durch einen Vakuumprozess auf die Rückseite des Deckglases von Photovoltaikmodulen aufzubringen. 

Je nach Feinstruktur lassen sich so Deckgläser in verschiedenen Farben herstellen. Mittlerweile gelingt den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern dies auch auf Folie, als flexible Einbettungsfolie in Modulen oder als Rückseitenfolie. Unabhängige Messungen bestätigen, dass die farbigen PV-Module mit MorphoColor®-Beschichtung rund 95 Prozent der Leistung eines vergleichbaren unbeschichteten Moduls erbringen.

Mittwoch, 22. April 2026

„RENEWABLES 24/7“: MACHBARKEIT ERNEUERBARER ENERGIEVERSORGUNG

Die aktuelle geopolitische Lage verdeutlicht die Risiken fossiler Abhängigkeiten und macht die Transformation der Energieversorgung dringlicher denn je. Da Solar- und Windkraft längst als kosteneffizienteste Erzeugungsformen etabliert sind, prognostiziert die Internationale Energieagentur (IEA) bis 2030 ein globales Kapazitätswachstum auf das 2,6-Fache von 2022. Vor diesem Hintergrund rückt die Messeallianz The smarter E Europe vom 23. bis 25. Juni in München die Machbarkeit eines erneuerbaren Energiesystems ins Zentrum.

Die Sonderschau „Renewables 24/7“ demonstriert anhand von Best Practices, Vorträgen und Live-Demos, wie eine erneuerbare Energieversorgung rund um die Uhr sichergestellt werden kann. Um gängige Mythen zur Systemstabilität zu entkräften und die Realisierbarkeit wissenschaftlich zu untermauern, präsentiert The smarter E Europe zum Messeauftakt am 23. Juni eine exklusive Begleitstudie in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE. Die Untersuchung „Wege zu einer erneuerbaren Energieversorgung“ liefert am Beispiel Deutschlands – wo bereits rund 60 Prozent des Stroms regenerativ erzeugt werden – das faktische Fundament für die Versorgungssicherheit erneuerbarer Energiesysteme in führenden Industrienationen. Zu Europas größter Messeallianz für die Energiewirtschaft werden rund 2.800 Aussteller und mehr als 100.000 Besucher erwartet.

 

In der Sonderschau können interessierte Besucher in vier Themenwelten eintauchen: Industrie, Gewerbe, Wohnen und Mobilität. In jeder Welt erleben sie, wie Stromerzeugung, Speicherung, Flexibilisierung und Digitalisierung ineinander greifen und zusammen wirken. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Thema Sicherheit. Die Sonderschau räumt mit gängigen Mythen auf, die erneuerbaren Energien seien unzuverlässig, es drohten Dunkelflauten und „Zappelstrom“.

 

Wind und Sonne sind zwar volatil und liefern nicht gleichmäßig viel Strom, doch es gibt bereits Technologien und Lösungen, wie Unternehmen, Energieversorger und Verbraucher souverän mit Schwankungen und Überschussproduktionen umgehen können. „Strom aus Sonne und Wind ist schon jetzt konkurrenzlos günstig. Deshalb ist die Energiewende nicht zu stoppen. Wer sie verzögert, schadet der Wirtschaft. Denn durch die erneuerbaren Energien können Unternehmen ihre Energiekosten langfristig senken und ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern. Eine sichere Versorgung ist durch Flexibilisierung, die Kombination mit intelligenten Speichern, digitalen Netzlösungen und Sektorkopplung gewährleistet“, erklärt Markus Elsässer, Geschäftsführer der Solar Promotion.

 

Wie solche Technologien bereits erfolgreich eingesetzt werden, zeigt die Sonderschau anhand von Best Practices aus Europa. In Zukunft werden die Sektoren Strom, Wärme und Mobilität miteinander verschmelzen und sich gegenseitig unterstützen. Die Sektorenkopplung reduziert Investitionen, etwa in den Ausbau der Netze. Denn diese müssen dank Digitalisierung und Flexibilisierung nicht so stark ausgebaut werden wie erwartet.

 

Das erneuerbare Energiesystem ist komplexer, vernetzter und integrierter. Es setzt vor allem auf Wind und Sonne. Wasserkraft, Biomasse sowie Wasserstofftechnologien können sie ergänzen. In Zukunft werden immer mehr Menschen selbst Strom erzeugen, verbrauchen und speichern. Das schafft mehr Wettbewerb und senkt die Kosten. Ein zentraler Schlüssel beim Umbau der Energieversorgung ist die Elektrifizierung in allen Bereichen – vom Verkehr über die Wärmeerzeugung bis hin zur Industrie. Die Elektrifizierung wird für die Wirtschaft ein Innovations- und Wachstumsmotor sein. Die Wertschöpfung wird dadurch steigen, viel stärker als durch importiertes Erdöl und Ergas. Deutschland gibt durchschnittlich jährlich 81 Milliarden Euro für den Import fossiler Brennstoffe aus. Wer daran festhält, verliert künftig an Wohlstand. „Mit der Sonderschau setzen wir die richtigen Themen zur richtigen Zeit. Sie belegt, dass die Energiewende nicht nur möglich, sondern auch wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich sinnvoll ist. Es liegt an uns, ihre Chancen zu nutzen“, sagt Jens Mohrmann, Geschäftsführer der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH & Co. KG (FWTM. Die Sonderschau wird durch Live-Demos, Diskussionen sowie Fachvorträge von Experten ergänzt. Sie beleuchten Chancen und Herausforderungen des erneuerbaren Energiesystems.

 

Starke Allianz aus Verbänden und Industrie steht hinter der Sonderschau

 

Getragen wird die Initiative von einem breiten Bündnis führender Branchenverbände. Zu den Unterstützern zählen der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE), der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (BNE), der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar), die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS), der Deutsche Wasserstoff-Verband (DWV), der Fachverband Biogas sowie der VDMA Photovoltaics Equipment und VDMA Power Systems. International wird die Sonderschau durch E-Mobility Europe. 

 

Als technologische Solution Partner begleiten führende Unternehmen der Branche die Sonderschau, darunter CATL, Energy3000, Fenecon, FoxESS, GE Vernova, Maxsolar, Octopus Energy und Siemens AG. Gemeinsam präsentieren sie die technischen und wirtschaftlichen Lösungen, die eine regenerative Vollversorgung rund um die Uhr ermöglichen. The smarter E Europe vereint als Europas größte Messeallianz für die Energiewirtschaft vier Fachmessen (Intersolar Europe, ees Europe, Power2Drive Europe und EM-Power Europe) und findet vom 23.–25. Juni 2026 auf der Messe München statt. 

 

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter:

www.TheSmarterE.de

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Dienstag, 21. April 2026

Solarstrom übertrifft sie alle, auch in der Schweiz!



Quelle: Screenshot Solarmedia - Vergrössern mit Klick auf Darstellung!

Darob können wir uns im Sommer künftig wiederholt freuen: Solarstrom ist tags hierzulande bereits die wichtigste Stromquelle (26%), so auch an diesem Dienstagnachmittag um 14:00 Uhr. Das sogar vor Wasserkraft!

 Quelle: Solarmedia / electricitymaps

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Montag, 13. April 2026

Solartechnisch ein saumässig gutes Wochenende

Zwei Staaten haben übers Wochenende für Furore gesorgt. Erwähnt wurde hier auch schon Ungarn (siehe Solarmedia vom 6.April 2026). Dieses steht an der Spitze unter den Solar-Anwendern in Europa, und das ganz plötzlich, nachdem es lange Zeit als Nachzügler galt.

Pakistans Entwicklung gilt als eigentliche 
Solar-Revolution,  getrieben von hunderttausenden 
von Anwendungen - Bild WION
Sodann sei hier die Rede vom fernöstlichen Pakistan, wo es ja leider am Wochenende in Bezug auf den Iran-Krieg zu keinem Fortschritt kam. Pakistan ist aber ein Land, das ebenfalls in kürzester Zeit an die Spitze der Solar-Nutzer-Nationen gelangt ist. Und das gelang insbesondere durch eine Spezialität, nämlich durch eine fast vollständig dezentrale Entwicklung ohne grosse PV Anlagen, die sonst in vielen Ländern das Bild aufbessern.  

Pakistan hat in den letzten Jahren tatsächlich einen der weltweit schnellsten Solar-Booms erlebt – vor allem durch eine dezentral, verbrauchergetriebene Revolution („people-led“ oder „grassroots“). Im Gegensatz zu vielen Ländern kam der Zuwachs nicht primär durch große staatliche Projekte, sondern durch Millionen Haushalte, Unternehmen und Landwirte, die auf ihren Dächern und Feldern Solaranlagen installierten. Das geschah vor dem Hintergrund einer schweren Energiekrise und extrem attraktiver Rahmenbedingungen. Wie kam es dazu? (Die Entwicklung seit ca. 2020/2022)
  • Energiekrise als Katalysator: Pakistan litt unter jahrelangen Stromausfällen (Load Shedding bis zu 12 Stunden täglich), explodierenden Strompreisen (um über 155 % in nur drei Jahren gestiegen durch teure IPP-Verträge aus den 1990er-Jahren, Rupien-Abwertung und globale Preisschocks wie den Ukraine-Krieg). Gleichzeitig wurden Diesel-Generatoren teuer. Solar wurde plötzlich zur günstigen, zuverlässigen Alternative – vor allem für Bewässerungspumpen, Industrie und Haushalte. 
  • Günstige Technik aus China: Die Preise für Solarmodule sanken dramatisch (von ca. 0,35 USD/Watt 2017 auf 0,08 USD/Watt 2025). Pakistan importierte riesige Mengen: 17 GW Module allein 2024 (weltweit einer der größten Importeure, teilweise sogar mehr als manche Industrieländer installieren), kumulativ rund 50 GW. Viele Anlagen wurden „behind-the-meter“ (ohne Netzeinspeisung) oder off-grid gebaut. 
  • Net-Metering-Politik als Turbo: Die 2015 eingeführten Net-Metering-Regeln erlaubten eine 1:1-Verrechnung von eingespeistem Überschussstrom zum hohen Durchschnittspreis (ca. 26–27 PKR/kWh ≈ 0,093 USD). Die Amortisation betrug oft nur 1–2 (max. 4) Jahre – extrem attraktiv. Dazu kamen Steuerbefreiungen auf Module (seit 2013, erweitert 2022). 
Zahlen zur Kapazität (Stand 2025, teils Schätzungen wegen vieler nicht gemeldeter Anlagen):
  • Net-metered Rooftop-Solar: Von ca. 2,5 GW (2024) auf 5,3 GW (Ende April 2025) bzw. 6,1 GW (Juni 2025). Monatlich wurden zeitweise 500+ neue Systeme installiert. 
  • Gesamte verteilte Solarleistung (inkl. Off-Grid, Behind-the-Meter, Landwirtschaft): Schätzungen von Think-Tanks liegen bei 27–33 GW installiert (davon ca. 19 GW nicht net-metered). 
  • Utility-Scale (große Kraftwerke): Nur ca. 0,5–0,7 GW (z. B. Quaid-e-Azam Solar Park 400 MW + weitere Projekte).
  • Anteil am Strommix: Solar lieferte 2025 zeitweise bis zu 25 % des Netzstroms; die Erzeugung aus Solar stieg deutlich schneller als global. 
Das entspricht einer der schnellsten verbrauchergetriebenen Energieanwendungen weltweit und hat Pakistan bereits Milliarden USD an Öl- und Gasimporten erspart.Die genaue Politik
  • Rahmen: Alternative & Renewable Energy (ARE) Policy 2019 mit dem Ziel 20–30 % Erneuerbare bis 2030 (Solar als Schwerpunkt). Solarpotenzial wird auf über 40 GW geschätzt.
  • Kerninstrument: Net-Metering-Regulations 2015 (bis 1 MW, 7-Jahres-Lizenz, volle Einspeisevergütung).
  • Wichtige Änderung 2025: NEPRA hat im Dezember 2025 die Prosumer Regulations 2025 vorgestellt und konsultiert (ersetzen die alten Regeln). 
    • Wechsel von reinem Net-Metering zu Net-Billing: Verbrauch (Import) wird zum vollen Retail-Tarif bezahlt, Überschuss (Export) nur noch zum deutlich niedrigeren „National Average Energy Purchase Price“ vergütet (von ca. 26–27 PKR/kWh auf ca. 10–13 PKR/kWh – über 60 % Kürzung für Neuanlagen).
    • Lizenzdauer verkürzt auf 5 Jahre.
    • Bestehende Anlagen bleiben bis Vertragsende geschützt.
  • Grund für die Reform: Hohe Einnahmeverluste der Verteilnetzbetreiber (DISCOs), Quersubventionierung (Nicht-Solar-Kunden, vor allem Ärmere, zahlen mehr), Netzstabilität und „free-battery“-Effekt. Es gibt zusätzlich eine 10 %-Importsteuer auf Module seit Juni 2025, aber auch provinziale Subventionsprogramme für Arme und Landwirtschaft (z. B. Punjab für Tube-Wells). 
Aussichten (2026 und darüber hinaus)
  • Positiv: Der Boom dämpft Stromausfälle, steigert Energieunabhängigkeit (Pakistan ist weniger anfällig für globale LNG- oder Ölkrisen) und schafft ländliche Arbeitsplätze/Produktivität (z. B. solarbetriebene Bewässerung). Bis 2026 könnte Solar 20 % oder mehr des Stroms liefern; weitere Utility-Scale-Projekte (z. B. Layyah 1.200 MW) sind geplant. Die Politik bleibt grundsätzlich solarfreundlich, nur die Anreize werden „nachjustiert“, um das System nachhaltig zu machen. 
  • Herausforderungen: Netzstabilität (Überschuss bei Tag, Nachfrage bei Nacht → Speicher nötig), Datenlücken bei nicht gemeldeten Anlagen, soziale Ungleichheit (Solar lohnt sich vor allem für Besserverdienende) und mögliche Verlangsamung durch die neuen Regeln.
  • Prognose: Das Wachstum geht weiter, aber etwas gebremst und strukturierter. Pakistan gilt bereits als Lehrbeispiel, wie ein Entwicklungsland mit instabilem Netz durch dezentrale Solarenergie resilienter werden kann – vorausgesetzt, die Politik begleitet den Boom mit smarter Netzintegration und inklusiven Maßnahmen für alle Schichten.
    Quelle: Solarmedia & Grok
     
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