Dienstag, 12. April 2022

Ein Unabhängigkeitstag der etwas anderen Art

Der heutige 12. April markiert den Energie-Unabhängigkeitstag der Schweiz 2022. Bis zu diesem Zeitpunkt reichen die einheimischen Ressourcen, um den Energiebedarf der Schweiz zu decken, wie die Schweizerische Energie-Stiftung SES berechnet hat. Danach ist die Schweiz in der Bilanz bis zum Jahresende auf importierte Energieträger wie Öl, Gas und Uran angewiesen. Die Energiewende birgt die Chance, den Energie-Unabhängigkeitstag zukünftig immer weiter nach hinten zu verschieben und die Energieunabhängigkeit der Schweiz zu stärken.

Die Energieversorgung der Schweiz ist geprägt durch eine hohe Auslandabhängigkeit. Drei Viertel unserer Energie wird über weite Distanzen importiert, dazu gehören alle Erdölprodukte, Erdgas sowie die Kernbrennstoffe. Für den Import überweisen wir im Durchschnitt jährlich 10 Milliarden Franken ins Ausland. Sinnbildlich für die hohe Auslandabhängigkeit bei der Energieversorgung steht der so genannte «Energie-Unabhängigkeitstag». Die Berechnung dieses Tages gibt an, bis zu welchem Tag im Jahr die Schweiz vom Ausland unabhängig ist, das heisst ihre inländische Produktion aufbraucht. Von diesem Zeitpunkt an leben wir bei der Energieversorgung auf Pump, sind also vom Ausland abhängig.

Schweiz im europäischen Vergleich im hinteren Mittelfeld:
Mit einer Energieunabhängigkeitsquote von 28.1 Prozent im Jahr 2020 liegt die Schweiz im europäischen Vergleich im hinteren Mittelfeld. Spitzenreiter sind Estland und Island mit fast 90 Prozent (Vergleiche Tabelle). Die Schlusslichter des Vergleichs sind Luxemburg, Zypern und Malta mit einer Energieunabhängigkeitsquote von unter 10 Prozent.

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Mehr Unabhängigkeit ist möglich: In den letzten 20 Jahren hat die Schweiz ihre Energieunabhängigkeit kontinuierlich von rund 20% im Jahr 2001 auf über 25% im Jahr 2019 gesteigert (Vergleiche nachstehende Tabelle). Das Corona-Jahr 2020 war mit einer Energieunabhängigkeitsquote von über 28% ein Ausreisser nach oben, da die Energienachfrage vor allem in der Mobilität, aber auch in der Industrie durch den Shutdown erheblich zurückgegangen ist. In der Zukunft werden die vom Volk beschlossene Energiestrategie 2050 und das bundesrätliche Netto-Null-Ziel bis 2050 zusätzliche Bewegung bringen, denn die Elektrifizierung wird viele fossile Energieträger ersetzen. Durch den Ausbau der inländischen Stromproduktionskapazitäten wird die Abhängigkeit von Energieimporten sinken.

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Die Berechnungen zeigen, dass die Dekarbonisierung des Gebäude- und Mobilitätssektors und der Atomausstieg wesentlich zur Energieunabhängigkeit beitragen werden. «Das ist eine gute Nachricht, zeigt doch insbesondere der russische Einmarsch in der Ukraine, dass die Schweiz über den Import fossiler Energieträger autoritär regierte Staaten und deren kriegerischen Aktivitäten finanziert», sagt Nils Epprecht, Geschäftsleiter der SES. «Wir fordern deshalb eine konsequente Umsetzung der Energiewende und eine Verschiebung des Energie-Unabhängigkeitstags auf den Frühsommer bis im Jahr 2025.»

Sofortprogramm gefordert: Konkret müssen der Ausbau der erneuerbaren Energien – vor allem die Solarenergie – aber auch der frühzeitige Ersatz fossiler Heizsysteme massiv beschleunigt werden, so die Forderung der SES. Für diese Beschleunigung braucht es ein befristetes Bundes-Sofortprogramm, das über die aktuell ohnehin laufenden Bemühungen für Verbesserungen im Rahmen verschiedener Gesetzesrevisionen hinausgeht. Das Sofortprogramm soll unter anderem niederschwellige Finanzierungsangebote – ähnlich wie bei den Corona-Massnahmen – beinhalten.

» Download Studie «Energie-Unabhängigkeitstag 2022» (.pdf)

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Sonntag, 10. April 2022

Die Rekorde in der Photovoltaik purzeln

Am Dienstag war an dieser Stelle vom Schweizer Photovoltaik-(PV)-Boom zu lesen (> Solarmedia vom 5.4.22). Heute schaut der Blog in die weite Welt, unter anderem auf Grund eines Artikels von Emper (> siehe hier). Dabei gibt es Erstaunliches zu entdecken. Nicht nur die News, dass unterdessen weltweit über 1000 Gigawatt Leistung an Photovoltaik erstellt ist (wohlgemerkt ein Terawatt und wahrlich ein Meilenstein!) gilt es zu würdigen. Sondern vielmehr solare Rekorde an allen Ecken und Enden der ganzen Welt.

 

Die weltweite Solarleistung – also die Kapazität aller Solaranlagen – ist im vergangenen Jahr erneut um über 20, genau deren 23 Prozent gestiegen. Angeführt wurde dieses Wachstum erstaunlicherweise von Australien, das vor wenigen Jahren noch unter den solaren Nobody’s fungierte und das immer noch eine der ganz grossen Fördernationen fossiler Energieträger, nämlich von Kohle ist. Trotzdem ist Australien im eigenen Land (die Kohle wird vor allem exportiert, so unter anderem ins kohlehungige China) nunmehr mit einem Solaranteil von zwölf Prozent an der Stromerzeugung auch in dieser Hinsicht zum Solar-Weltmeister aufgestiegen (im Vergleich: die Schweiz steht bei aktuell rund fünf Prozent, europäische Spitzennationen wie Italien, Spanien und Deutschland bei deren gegen zehn. Ans Licht bringt solche Zahlen der in Grossbritannien beheimatete Think Tank Ember in seinem dritten Global Electricity Review – der auch die eingangs erwähnte weltweite Rekordmarke von 1023 Terawattstunden Solarertrag (dank eines weltweiten Jahreszuwachses von 188 TWh) öffentlich macht. Für Zahlenfreaks: Dieser Solarertrag in Kilowattstunden ist insofern plausibel, weil er in ungefähr dem Ertrag von 1000 Gigawatt (oder ein TW) Leistung entspricht.

 

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Doch warum in die (allzu weite) Ferne schweifen, wenn es von solaren Rekordleistungen zu berichten gilt. Denn auf dem Redaktionstisch von Solarmedia landete diese Woche auch aus Kontinental-Europa eine erstaunliche Rekordmeldung von seiten des Anlagen-Projektierers Juwi, der eigentlich mit Windanlagen in Deutschland gross geworden war, dann aber bei einer der vielen konjunkturellen Windflauten fast pleite ging und sich in der Folge als Projektierer von Solaranlagen wortwörtlich an die Sonne zurück kämpfte: In dieser Mitteilung hiess es unter anderem: 

 

«Mit der Inbetriebnahme eines Solarparks im Kraftwerksmaßstab hat juwi in der griechischen Stadt Kozani einen wichtigen
Meilenstein zur Umstellung der Energieproduktion in Griechenland gelegt. Das
über 200 Megawatt (!) starke Photovoltaik-Kraftwerk wurde diese Woche in Beisein des
griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis an den griechischen
Energiekonzern HELPE übergeben. HELPE und juwi leisten damit gemeinsam einen
wichtigen Beitrag für niedrigere Stromkosten, geringere
Treibhausgasemissionen und die Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Mit
einer Kapazität von 204 Megawatt ist Kozani das größte PV-Kraftwerk in Europa, das bifaziale (doppelseitige) Solarmodule nutzt. Es liegt ungefähr 500 Kilometer
nördlich von Athen. Das Solarkraftwerk wird jährlich 320
Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen und somit die Versorgung von über
75.000 griechischen Haushalten sicherstellen. Rund 300.000 Tonnen
CO2-Emissionen werden dadurch jährlich vermieden.»
Mehr zu diesem Projekt in Griechenland siehe > hier.

   

Doch noch einmal zurück auf die Weltebene, auf der der Solaranteil an der gesamten weltweiten Stromproduktion unterdessen zwischen drei und vier Prozent beträgt. Noch vor wenigen Jahren war es nur ein einziges Prozent. Zum Vergleich: die atomare Stromproduktion weltweit hat etwa einen Anteil von zehn Prozent, wobei dieser vor 20 Jahren doppelt so hoch lag. Einen solchen Zehn-Prozent-Anteil erreichen unterdessen die neuen Erneuerbaren insgesamt (siehe Darstellung oben), wobei neben dem Solar- der Windstrom für den Hauptteil verantwortlich ist. Und wobei das nicht nur wenige Länder, sondern deren 50 weltweit bereits schaffen. Diese Angaben stammen ebenfalls aus dem Global Electricity Review  . Nicht inbegriffen ist einerseits die Wasserkraft, andrerseits viele kleinere Stromquellen wie etwa die Biomasse – unter ihrem Einbezug kommen wir bereits auf 37 Prozent (die Schweiz wiederum dank ihres herausragenden Beitrags der Wasserwirtschaft auf rund zwei Drittel des Gesamtstromaufkommens). Parallel zu diesen Produktionszahlen darf nicht vergessen gehen: auch die Gesamtnachfrage wächst unerbittlich, letztes Jahr um fünf Prozent – und als grosser Wermuts-Tropfen: die CO2-Emissionen haben 2021 wieder deutlich zugenommen (sieben Prozent im Energiesektor nach einem ähnlich grossen, aber coronabedingten Rückgang im Vorjahr). Das Wachstum beim Kohleverbrauch war in absoluten Energieeinheiten noch grösser als jenes der Erneuerbaren.


Das noch zum Schluss: Sollen die Pariser Klimaziele erreicht werden, bedarf es einer Verfünffachung des nun erreichten einen Terawatts Solarleistung bis zum Jahr 2030. Da bleibt natürlich noch allerhand zu tun.... (siehe auch > hier).

 

Samstag, 9. April 2022

PPVX weiter deutlich hinter dem Fossil-Sektor

Der Solaraktienindex PPVX fiel letzte Woche um 0,4% auf 3.639 Punkte, der NYSE Arca Oil (Index für Fossil-Aktien) stieg um 4,5%. Der PPVX liegt seit Jahresanfang 2022 mit -0,8% währungsbereinigt rund 44,5 Prozentpunkte hinter dem Erdölaktienindex NYSE Arca Oil (+43,7%). Die Top-3-Titel seit Jahresanfang sind Encavis AG(+37%), Solaria Energia y Medio Ambiente (+34%) und Xinte Energy (+31%). Der PPVX-Börsenwert beträgt rund 129,5 Mrd. Euro. Die Gewinner der Woche waren Meyer Burger Technology AG (+10%) und Solaria Energia y Medio Ambiente (+10%), die Verlierer Shoals Technologies Group (-21%) und Array Technologies (-15%). Seit Anfang 2003 liegt der PPVX (+1.188%) rund 937 Prozentpunkte vor dem Erdölaktien-Index (mit +251%). 

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Der Solaraktienindex PPVX erscheint auf Solarmedia jeden Monat neu
  
 Quelle: oeko-invest.net

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Dienstag, 5. April 2022

Von Rekord zu Rekord: PV boomt in der Schweiz


Sonnenenergie (Photovoltaik = PV) ist in der Schweiz so gefragt wie nie: Das zeigen die jüngsten Zahlen von Pronovo, die im Auftrag des Bundesamts für Energie die Gesuche für Fördermittel für erneuerbare Produktionsanlagen bearbeitet. Sowohl bei der Anzahl Gesuche wie bei der Produktionsleistung gab’s im ersten Quartal einen Rekord.

 

7431 Gesuche für Fördermittel für neue PV-Anlagen sind im ersten Quartal bei Pronovo eingegangen – so viele wie noch nie. Rekordhoch ist auch die Leistung, die diese Anlagen dereinst liefern sollen. 171 Megawatt angemeldete Leistung entsprechen einem Wachstum von über 50% im Vergleich zum ersten Quartal 2021. Energeiaplus ordnet diesen Rekord mit Joëlle Fahrni, Fachspezialistin für Erneuerbare Energie und Wieland Hintz, Verantwortlicher Solarenergie beim Bundesamt für Energie ein.

 

Joelle Fahrni ist Fachspezialistin für erneuerbare Energien bem BFE. Bild: BFE

 

Energeiaplus: Die Anzahl Gesuche für Fördermittel schiessen in die Höhe. Im Januar 2022 gab es 2293 Gesuche, im Februar 2517 und im März 2621. Wie erklären Sie sich diese Entwicklung?

Joëlle Fahrni: Die Installation einer Photovoltaikanlage wird immer mehr zum Standard. Die Investitionskosten für solche Anlagen sind in den letzten Jahren tendenziell gesunken und erschwinglich geworden, die Förderbedingungen sind seit einigen Jahren stabil und dazu wird es immer populärer, den eigenen Strom zu erzeugen. Der Zubau zeigt, dass es sich lohnt, in eine PV-Anlage zu investieren.

 

2021 war bereits ein Rekordjahr punkto Anmeldungen für Fördermittel. Wagen Sie eine Prognose für 2022?

Wieland Hintz: Wir gehen von einer weiteren Steigerung um 25% aus, so dass bis Ende Jahr deutlich über 700 MW installiert werden. Die Standorte aller Anlagen können übrigens auf Elektrizitätsproduktionsanlagen in der Schweiz (admin.ch) aufgerufen werden, die neuen Anmeldungen werden im Einmalvergütungs-Cockpit von Pronovo veröffentlicht.

 

Auch punkto Leistung sind die Zahlen für das erste Quartal mit 171 MW rekordmässig. Der Bundesrat strebt bis 2035 eine installierte Leistung von 14 Gigawatt an, womit dann etwa 20% des bis dahin noch steigenden Schweizer Strombedarfs gedeckt werden können. Wie sind die Zahlen in diesem Zusammenhang zu werten?

Wieland Hintz ist Verantwortlicher für Solarenergie beim BFE. Bild: BFE

Wieland Hintz: Die gute Nachricht ist: Der jährliche Zubau ist damit bereits auf dem Niveau, das es braucht, um das Ziel des Bundesrats zu erreichen. Geht der Zubau also so weiter, können 2035 mindestens 20% der Schweizer Verbrauchs mit Photovoltaik gedeckt werden. Aber so ein hoher Zubau ist kein Selbstläufer, die Rahmenbedingungen müssen ständig weiterentwickelt und neue Potenziale erschlossen werden. Das Verordnungspaket, das der Bundesrat am 30. März in die Vernehmlassung gegeben hat, enthält viele neue Elemente für die Schweizer Photovoltaik: Eine neue hohe Einmalvergütung für Anlagen ohne Eigenverbrauch sowie wesentliche Erleichterungen für die Umsetzung von Zusammenschlüssen zum Eigenverbrauch. Zudem wird der seit dem 1. Januar 2022 bestehende Bonus für stark geneigte integrierte Anlagen ergänzt um einen neuen – niedrigeren- Bonus für stark geneigte angebaute und freistehende Anlagen. Diese Anlagen produzieren im Winter verhältnismässig viel Strom. Die Boni helfen, dass mehr Anlagen auf Fassaden gebaut werden, was bisher noch nicht ausreichend gemacht wird.

 

Für viele interessierte Bauherren ist die Photovoltaik Neuland und es stellen sich viele Fragen für bei der Umsetzung. An wen können sich diese Personen wenden, wie geht man vor?

Joëlle Fahrni: EnergieSchweiz beschreibt das Vorgehen in den «Sieben Schritten zu Ihrer Solaranlage». Mit diesen Schritten gelangen Sie schnell und unkompliziert zu Ihrer eigenen Solaranlage. Von der Ermittlung des Potenzials Ihres Daches oder Ihrer Fassaden über eine Wirtschaftlichkeitsberechnung und dem Einholen von Angeboten bis hin zur Inbetriebnahme der Anlage gibt EnergieSchweiz wertvolle Tipps zu den unumgänglichen Schritten – und die sind gar nicht so kompliziert, wie sie auf den ersten Blick scheinen.

 

Die Zahlen stimmen also positiv. Gleichzeitig hat das Bundesamt für Energie zusammen mit Branchenverbänden eine Bildungsoffensive gegen den Fachkräftemangel im Gebäudebereich gestartet. Gibt es genug Fachleute, um die Solarpanels zu montieren?

Joëlle Fahrni: Der starke Ausbau der Photovoltaik in der Schweiz erfordert genügend und vor allem gut ausgebildete Fachleute. Aber die Branche hat auch gezeigt wie flexibel sie ist, indem sie die Verdreifachung des Marktvolumens zwischen 2017 und 2022 stemmen konnte. Diese Leistung verdient grossen Respekt! Trotzdem zeichnet sich aktuell ein Fachkräftemangel im Gebäudebereich ab. Wir sind aber zuversichtlich, dass der Fachkräftemangel mit der Bildungsoffensive Gebäude schnell behoben werden kann. EnergieSchweiz hat dazu 2020 und 2021 zusammen mit der Branche und Bildungsinstitutionen eine Roadmap mit 32 Massnahmen erarbeitet, welche die Branche mit Unterstützung des Bundesamts für Energie in den nächsten Jahren umsetzen wird.

 

Interview: Brigitte Mader, Kommunikation, Bundesamt für Energie

 

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Sonntag, 3. April 2022

Fix- und Flexmodell für Abnahmevergütung

Die SSES und ihr Fachverband VESE (s.u.) entwickeln ihr Modell für eine langfristig stabile Abnahmevergütung für Solarstrom weiter. Als Vorbild dient das auf dem Schweizer Bankenplatz bewährte Hypotheken-Modell mit der entsprechenden Wahlfreiheit.


Was sich im Schweizer Hypothekenmarkt mit festen und variablen Hypotheken seit Jahrzehnten bewährt hat, soll nun auch auf die Strompreise übertragen werden. Dies zumindest fordern die SSES und VESE. Anlagenbetreibende hätten für neue PV-Anlagen zwei Möglichkeiten zur Wahl:


  • Fix-Modell: Analog zu einer Festhypothek liegt die Abnahmevergütung bei einem fixen Tarif (z.B. 8 Rp/kWh) über 20 Jahre garantiert. Die Anlage wäre «investitionssicher».
  • Flex-Modell: Analog zur variablen Hypothek entscheiden sich die Betreiber einer Anlage für den freien Markt. Der Strom würde dann zum aktuellen Marktpreis vergütet werden – mit allen Marktchancen und -risiken.


Beim Fix-Modell wird der Preis über die Endverbraucher finanziert. Diese haben im Gegenzug im Falle steigender Marktpreise die Sicherheit, dass ihr Solaranteil in ihrem Strom im Preis stabil bleibt. VESE hat dies durchgerechnet, es ergäben sich - langfristig und volkswirtschaftlich - für beide Seiten nur Vorteile (siehe auch: www.vese.ch/minrl ). Im Flex-Modell wird der Strom zum aktuellen Marktpreis vergütet. Je nach Strompreisentwicklung kann dies zu grossen Verlusten oder auch Gewinnen des Betreibers führen.


Beiden Modellen gemein ist die Forderung nach einer zentralen Abnahmestelle für Solarstrom. Anstatt dass der Solarstrom von den einzelnen Verteilnetzbetreibern vergütet wird, gibt es dafür neu eine zentrale Stelle. Dies entspricht auch dem Vorschlag des VSE. Abhängig vom gewählten Modell erfolgt die Vergütung durch einen fixen Preis oder entsprechend dem aktuellen Marktpreis. Dieses erweiterte Modell mit der Wahlfreiheit wird allen Seiten gerecht. Es berücksichtigt sowohl Forderungen nach einer marktgerechten Vergütung wie auch Forderungen nach Investitionssicherheit für die Solaranlagenbetreibenden. Ein weiterer Vorteil dieses Modelles ist, dass die optimale Vergütungsstrategie direkt in der Anwendung getestet und gegenübergestellt werden kann.


Die SSES:

In Reaktion auf die Energiekrise von 1973 wurde die Schweizerische Vereinigung für Sonnenergie SSES am 11. Juni 1974 als privatrechtlicher Verein in Bern gegründet. Die SSES zählt rund 4500 Mitglieder und ist in 11 Regional- und Fachgruppen gesamtschweizerisch als Konsumentenorganisation im Bereich Solarenergie tätig. Die SSES ist Mitglied der Klima-Allianz und setzt sich für eine Schweiz 100% erneuerbar ein. Ihre Projekte umfassen Öffentlichkeits- und Informationsarbeiten, aber auch die Teilnahme am politischen Gestaltungsprozess und Projekte zur Förderung des Ausbaus der Solarenergie.


Über VESE:

VESE setzt sich für eine "Schweiz hundert Prozent erneuerbar" im Rahmen einer breit abgestützten Energiewende ein. Mitglieder von VESE sind Solargenossenschaften sowie private und institutionelle Betreibende von Anlagen für erneuerbare Energieproduktion, vor allem Solaranlagen. Organisiert ist VESE als Fachgruppe der Schweizerischen Vereinigung für Sonnenenergie SSES. Weitere Informationen finden Sie auch auf unserer Webseite www.vese.ch.


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Freitag, 1. April 2022

Wo stehen Städte bei Energietransition?

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«Starke Städte» ist das Motto des Stadtwerkekongresses 2022 in Aarau. Wie stark präsentieren sich die Städte im Energiebereich? Welche Lösungen für den Klimaschutz und für ein nachhaltiges Energiesystem ergreifen sie? Wo stehen sie auf dem Weg zum Netto-Null-Ziel 2050. Energeiaplus hat bei sieben Schweizer Städten nachgefragt. Fazit: Die Städte tun einiges bei den erneuerbaren Energien, den alternativen Heizsystemen oder bei der Elektromobilität.

 

Klimaneutralität: Bis 2040 möchte die Stadt Basel klimaneutral sein. Das schlägt die Regierung des Stadtkantons dem Parlament vor als Gegenvorschlag zur Klimagerechtigkeitsinitiative. Diese will, dass die Stadt bereits 2030 unter dem Strich keine Treibhausgasemissionen mehr ausstösst.

Das Ziel 2040 strebt auch die Stadt Zürich an, für die Stadtverwaltung gilt sogar Netto-Null bis 2035. Zusätzlich definiert die Stadtregierung neu auch ein Reduktionsziel für Treibhausgasemissionen, die ausserhalb der Stadtgrenze verursacht werden. Aufgrund der dichten Besiedlung steht die Stadt Zürich vor diversen Herausforderungen. Unter anderem reichen in einigen Stadtteilen die lokalen Potenziale für erneuerbare Energien nicht aus und diese Gebiete müssen durch thermische Netze versorgt werden.

Die Stadt Bern muss ihre territorialen CO2-Emissionen bis 2041 auf total 0,6 Tonnen CO2 pro Kopf und Jahr vermindern und bis 2045 CO2-neutral sein. Im dazu vom Parlament verabschiedeten Klimareglement werden verbindliche Absenkpfade festgeschrieben – für die gesamten territorialen Emissionen wie auch speziell für die Bereiche Wärme und Mobilität. Falls die Absenkpfade nicht eingehalten würden, müsste die Stadt zusätzliche Massnahmen zur Reduktion der CO2-Emissionen einführen.

Die Stadt Chur will spätestens 2050 klimaneutral sein. In Absprache mit dem städtischen Energieversorger überarbeitet sie derzeit den Energierichtplan. Zudem erarbeitet die Stadt einen Masterplan Energie und Klima, der Massnahmen und Handlungsmöglichkeiten aufzeigen soll.

 

Heizen: Die Stadt Basel geht hier am weitesten: Muss eine Heizung ersetzt werden, darf sie seit 2017 nur noch in Ausnahmefällen mit einer Öl- oder Gasheizung ersetzt werden. Das sei anfangs schwierig gewesen für die Heizungsbranche, habe sich aber mittlerweile eingespielt, heisst es bei der Stadt. Rund 50% der Haushalte sind an ein Fernwärmenetz angeschlossen. Weiter schüttet die Stadt Förderbeiträge aus für energetische Sanierungen, effiziente Neubauten und für Anlagen zur Nutzung von erneuerbarer Energie.

Bis 2040 will die Stadt Zürich die Versorgung durch Wärme mit thermischen Netzen ausbauen, insbesondere in Gebieten, wo nicht ausreichend dezentrale erneuerbare Energien zur Verfügung stehen. Die Stadtregierung stellt dafür eine halbe Milliarde Franken bereit. Für Gebäude, die erst in einigen Jahren an die Fernwärme angeschlossen werden, aber schon vorher eine neue Heizung benötigen, bieten die städtischen Energieversorgungsunternehmen Übergangslösungen an. Die Förderung von Wärmepumpen und Anschlüssen an Energieverbünde ist ergänzend zur kantonalen Förderung ausgelegt. Zusätzlich werden zwei Förderprogramme neu lanciert: Erstens werden Fonds für die Förderung des Umstiegs von Öl- und Gasheizungen auf eine CO2-freie Wärmeproduktion geschaffen und zweitens wird ein Förderprogramm für energetische Gebäudesanierungen aufgebaut. Die städtische Energieplattform bietet eine Übersicht aller Fördermassnahmen.

Die Stadt Bern setzt beim Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energieträger beim Heizen auf verschiedene Anreize. Auf der Wärmeversorgungskarte der Stadt sehen Eigentümer, welchen Energieträger sie bei einem Heizungsersatz oder einem Gebäudeneubau zuerst prüfen sollten. Damit Fernwärme für möglichst viele Gebäude eine Option ist, soll das Fernwärmenetz von derzeit 53 km um weitere 36 km ausgebaut werden. Eine Herausforderung dabei ist jedoch, dass es keine Anschlusspflicht gibt. Zudem gibt es im Kanton Bern derzeit kein Verbot von fossilen Energieträgern bei Heizungen so wie in Basel. Bei den städtischen Liegenschaften hat es die Stadt indes selber in der Hand. Bis 2025 sollen Öl- und elektrische Heizungen durch ein erneuerbares System ersetzt werden. Bei Gasheizungen soll dies bis 2035 passieren. Zudem will die Stadt bei allen Neubauten PV-Anlagen realisieren, und auch bei Sanierungen, sofern dies möglich ist (UNESCO-Perimeter). Aus dem städtischen Ökofonds finanziert die Stadt zudem verschiedene Förderprogramme für Wärmepumpen, Anschluss an Nah- und Fernwärmenetz, PV-Anlagen, Zusammenschluss zum Eigenverbrauch, Ladeinfrastruktur für E-Mobilität, Biogas. Und auch Übergangslösungen bis zum Anschluss ans Fernwärmenetz werden gefördert.

Auch die Stadt Chur setzt auf den Ausbau der Fernwärme. Mit erneuerbar betriebenen WKK-Anlagen will die Stadt zudem die Wintermangellage überbrücken. Die Herausforderung liegt dabei bei der Finanzierung des Ausbaus der Netze. Auch in Chur werden PV-Anlagen bei stadteigenen Liegenschaften bei Gesamtsanierungen und Neubauten eingeplant und realisiert.

 

Elektromobilität: Für ihr Engagement bei der Förderung der Elektromobilität hat die Stadt Basel 2018 den goldenen Stecker von Swiss eMobility erhalten. 2016 hatte Basel ein Pilotprojekt gestartet mit gelben Parkplätzen mit Ladesäulen. Derzeit finden E-Autofahrer und –fahrerinnen in Basel 20 Parkplätze in der blauen Zone, wo sie ihr Auto laden können. Weitere 200 Ladestationen hat das Parlament beschlossen. Die Verwaltung will dabei punkto Elektromobilität ein Vorbild sein. Neue Fahrzeuge für Polizei, Kehrichtentsorgung, Feuerwehr oder auch den ÖV sollen künftig elektrisch fahren.

Grundsätzlich elektrisch: Diese Maxime gilt auch in den Städten Zürich und Bern bei der Anschaffung von neuen Fahrzeugen der Verwaltung.

Für E-Fahrzeuge bietet die Stadt Bern Ladestationen auf öffentlichem Grund an. In einem Pilotprojekt testet der städtische Energieversorger ewb das Laden von E-Fahrzeugen an Strassenlaternen. Drei Möglichkeiten gibt es dazu in der blauen Zone.

Die Stadt Zürich fördert öffentlich zugängliche und private Ladestationen sowie die Beschaffung von Elektrobussen für Unternehmen des öffentlichen Nahverkehrs. Die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) bewältigen zudem bereits heute rund 80% des Fahrgastaufkommens mit Trams und Trolleybussen, die vollständig mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen fahren.

Seit 2019 sind in Chur eine elektrische Kehrichtmaschine im Einsatz und zwei elektrische Kommunalfahrzeuge. Der stadteigene Fahrzeugpark soll fortlaufend durch elektrische Fahrzeuge ersetzt werden. Der städtische Energieversorger hat zudem zahlreiche Ladestationen in der Stadt und in Parkhäusern erstellt. Zudem hat der Churer Gemeinderat im März 2022 einer Kapitalerhöhung der Bus AG zugestimmt, damit diese eine CO2-neutrale Fahrzeugflotte anschaffen kann.

 

Text: Brigitte Mader, Kommunikation, Bundesamt für Energie
Grafik: Eveline Meier-Guillod, Bundesamt für Energie

 

 Quelle: energeiaplus.com

 

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