Montag, 6. April 2026

Transformation überall: Ungarn und Griechenland

 

Solarpark in Százhalombatta: 25 Prozent 
des erzeugten Stroms aus PV-Anlage

Ostermontag ist ja auch ein Sonntag, also findet die Rubrik «Solar am Sonntag» an diesem Montag statt. Und es sind schöne bunte Eier, die zur Freude aller Solar Fans hier aneinandergereiht seien. Zuvorderst Staaten, die in der Solarwirtschaft Furore machen.

Es geht um die Transformation in den beiden südeuropäischen Ländern Ungarn und Griechenland, wobei ja vor allem Ersteres mit der Wahl am nächsten Wochenende im Brennpunkt des Interesses steht, die Energieentwicklung allerdings kaum je Erwähnung findet. Das sei hier nach- (oder vor-) geholt - unter anderem dank eines Textes der künstlichen Intelligenz Grok, die mit der Plattform X zusammen geht, also vom umstrittenen Elon Musk stammt. Aber - und das ist ernst gemeint, in Bezug auf die Solarenergie ist Musk immer noch ein Vorreiter und die Darstellung von Grok in diesem Zusammenhang ohne Zweifel glaubwürdig.  

Der Wandel in Griechenland und Ungarn zur Spitze der Solarenergienutzung (gemessen am Anteil am Strommix) ist in der Tat bemerkenswert und vollzog sich vor allem in den letzten 5–6 Jahren (ca. 2019–2025).  Beide Länder nutzen ihr hohes Sonnenpotenzial nun extrem effizient – Ungarn erreichte 2024 weltweit den höchsten Solaranteil an der Stromerzeugung (knapp 25 %, globaler Spitzenreiter laut Ember), Griechenland lag bei ca. 22 % und rangiert ebenfalls in den Top 5 weltweit. Früher galten sie als „Nachzügler“, weil der Fokus auf anderen Energieträgern lag (Kohle/Lignit in beiden Ländern, Importabhängigkeit) und frühere Förderungen nicht so zielgerichtet oder administrativ aufwendig waren. Der rasante Aufholprozess hat mehrere gemeinsame und länderspezifische Gründe.Gemeinsame Treiber des schnellen Wandels
  • Stark sinkende Kosten für Solarmodule weltweit (dank Massenproduktion in Asien) machten Solar plötzlich wettbewerbsfähig – der Levelized Cost of Energy (LCOE) liegt in sonnenreichen Südländern wie Griechenland bei unter 33 €/MWh.
  • EU-Politik als Katalysator: Der Green Deal, REPowerEU (nach dem Ukraine-Krieg 2022) und die Nationalen Energie- und Klimapläne (NECP) setzten klare Ziele und stellten EU-Fördermittel (z. B. Recovery and Resilience Facility) bereit. Die Energiekrise 2022 machte heimische Erzeugung plötzlich dringend notwendig und attraktiv.
  • Technische und regulatorische Vereinfachungen: Schnellere Genehmigungsverfahren, Netzanschluss-Priorität für Erneuerbare und Förderung von Eigenverbrauch (Prosumer-Modelle) ermöglichten eine explosionsartige Installation sowohl bei Haushalten als auch bei Großanlagen.
Dadurch konnten beide Länder von einer niedrigen Basis aus in kürzester Zeit skalieren – Ungarn z. B. baute seit 2020 jährlich über 1 GW zu und erreichte 2025 über 8 GW installierte Leistung. Ungarn: „Smart Policies“ als ErfolgsrezeptUngarn hat den dramatischsten Sprung gemacht – von nur 4 % Solaranteil 2019 auf 25 % 2024 (und zeitweise über 40 % im Sommer 2025). Das Land war früher kohle- und gaslastig und politisch eher zurückhaltend bei Erneuerbaren.Entscheidende Maßnahmen:
  • Einspeisetarife und -prämien (KÁT-System): Garantierte Preise über Marktniveau plus Vorrang beim Netzanschluss für viele Jahre – das machte Investitionen risikolos und extrem attraktiv.
  • Net-Metering bis 2023: Haushalte konnten überschüssigen Strom jahresweise verrechnen – ein einfaches, bürokratiearmes Modell, das den Boom bei Dachanlagen auslöste (von ca. 300 Systemen 2010 auf 300.000 heute).
  • Staatliche Förderprogramme: „Solar Energy Plus“ und ähnliche Subventionen übernahmen bis zu zwei Drittel der Kosten für Dachanlagen plus Speicher. Hohe Strompreise nach 2022 taten ein Übriges.
  • Schnelle Umsetzung bei Großanlagen: Viele Projekte profitierten vom KÁT-System; Kohle wurde gleichzeitig zurückgedrängt (Anteil halbiert).
Ember fasst es als „smart policies turn coal laggards into solar leaders“ zusammen: gezielte, einfache Förderung statt komplizierter Ausschreibungen. Griechenland: Kohleausstieg + EU-Gelder als TurboGriechenland hatte durch die Finanzkrise lange gebremst, startete aber ab ca. 2019/2020 richtig durch.Wichtige Hebel:
  • Schneller Lignit-Ausstieg: Alte Braunkohleminen (besonders in Westmakedonien) wurden gezielt in riesige Solarparks umgewandelt – ein „Just Transition“-Projekt, das Flächen und Infrastruktur direkt nutzte.
  • Auktionen, Feed-in-Premiums und PPAs: Wettbewerbliche Ausschreibungen und Prämienmodelle zogen private Investoren an; Vereinfachung von Genehmigungen beschleunigte den Bau.
  • EU-Förderung und nationale Anreize: Steuererleichterungen, Zuschüsse für Dachanlagen und Haushalts-Solar sowie das National Energy and Climate Plan (NECP) mit ambitionierten Zielen (bereits 2026 statt 2030 erreicht).
  • Hohe Sonneneinstrahlung + niedrige Kosten: Griechenland profitierte besonders von der natürlichen Eignung; 2024/2025 kamen jeweils ca. 2,5 GW neu hinzu.
Das Ergebnis: Erneuerbare decken inzwischen über 50 % des Stroms, Solar ist ein zentraler Pfeiler. Herausforderung bleibt allerdings die Netzstabilität (Speicherbedarf steigt stark). Fazit: Politik + Potenzial = rasanter WandelDer „Windwechsel“ kam nicht durch Zufall, sondern durch konsequente, praxisnahe Förderpolitik in Kombination mit EU-Druck, günstigen globalen Preisen und der Notwendigkeit der Energieunabhängigkeit. Beide Länder zeigten, dass man von „Nachzügler“ zum Spitzenreiter aufsteigen kann, wenn man bürokratische Hürden abbaut und klare finanzielle Anreize setzt – vor allem bei Haushalten und der direkten Umwidmung alter Energie-Infrastruktur. Der Erfolg ist nachhaltig, solange Speicher und Netzausbau mitwachsen. Quelle: