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Eine Grafik zieht sich wie ein roter Faden durch die diesjährige Photovoltaik-Tagung: das rasante Wachstum der letzten Jahre - vor dem nun zu erwartenden zwischenzeitlichen Einbruch (Bildmitte) - Bild: Screenshot Guntram Rehsche
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Heute Dienstag
und morgen findet im Kursaal Bern zum 23. Mal die Schweizer
Photovoltaik-Tagung mit einer neuen Rekord-Teilnehmerzahl statt. Im
Zentrum steht die Frage, wie der weiterhin starke Ausbau der
Photovoltaik unter den veränderten Rahmenbedingungen des neuen
Stromgesetzes gelingt. Im laufenden Jahr wird Solarstrom bereits rund 14
% des Strombedarfs liefern, was vor wenigen Jahren nicht vorstellbar
war. Zur Erreichung der gesetzlichen Ziele muss die jährliche
Solarstromproduktion innerhalb von 10 Jahren um mehr als den Faktor 3
gesteigert werden. Das Ausbautempo darf dafür nicht nachlassen. Trotz
aktuell schwächerer Nachfrage zeigt sich die Branche überzeugt, dass
dieses Ziel erreicht werden kann. Voraussetzung dafür ist, dass die
gesamte Strom- und Solarbranche die aktuellen Herausforderungen
gemeinsam anpackt.
Auch
dieses Jahr stösst die Schweizer Photovoltaik-Tagung mit einer erneuten
Rekordteilnahme von rund 1100 Teilnehmenden auf grosses Interesse. Ein
vielfältiges Vortragsprogramm während 2 Tagen wird ergänzt durch eine
Ausstellung von 55 Unternehmen und eine wissenschaftliche
Poster-Ausstellung.
Photovoltaik mit neuen Rahmenbedingungen
Schon in wenigen Jahren wird die Solarenergie in
fast allen Ländern der Welt die günstigste Energietechnologie sein, wie
Rutger Schlatmann vom Helmholtz Zentrum Berlin in seiner Keynote
aufzeigt. Mit einem geschätzten Anteil von 14 % am Stromverbrauch des
laufenden Jahres ist Solarenergie auch in der Schweiz unverzichtbar
geworden. Sie muss nun noch besser ins Energiesystem integriert werden,
primär durch eine bessere Abstimmung von Produktion und Verbrauch. Das
neue Stromgesetz schafft dafür die Voraussetzungen, einerseits durch
Nachbarschafts-Strommodelle, andererseits durch Flexibilitätsregelungen
für die Verteilnetzbetreiber.
Solar- und Strombranche: Gemeinsam vorgehen
In einem gemeinsamen Vortrag zeigen Nationalrätin
Gabriela Suter (Vizepräsidentin Swissolar) und Jürg Grossen (Präsident
Swissolar) auf, unter welchen Voraussetzungen der weitere
Photovoltaikausbau gelingt. Suter appelliert, den eingeschlagenen und
von der Stimmbevölkerung mehrfach bestätigten Pfad jetzt nicht zu
verlassen: «Innerhalb der nächsten 10 Jahre müssen wir die Produktion um
mehr als den Faktor 3 steigern, um die Ziele des Stromgesetzes zu
erreichen. Das ist machbar, wenn die Rahmenbedingungen stimmen». Grossen
ergänzt: «Die Solarbranche ist bereit, ihren Teil der Verantwortung für
das Stromsystem zu übernehmen. Wenn wir den Strom vermehrt lokal nutzen
und speichern, entlasten wir das System und die Netze. Aber auch die
Strombranche muss ihre Systeme dem Markt anpassen: Immer noch werden
beispielsweise Elektroboiler fix in der Nacht geladen, statt über
Mittag, wenn der Strom am günstigsten ist».
An der folgenden Podiumsdiskussion diskutieren
Vertreterinnen und Vertreter der Strom- und Solarbranche, des
Bundesamtes für Energie sowie der Konsumenten über Herausforderungen und Chancen des Stromgesetzes.
Klarheit im Markt schaffen
In der zweiten Tagungssession werden die
Marktperspektiven behandelt. Aktuell zeichnet sich ein leichter
Marktrückgang für das laufende Jahr ab, bedingt durch Unsicherheiten im
Zusammenhang mit den neuen Gesetzen und Verordnungen. Die Tagung bietet
wertvolle Orientierungshilfen in der laufenden Neuausrichtung der
Branche.
Wachsende Vielfalt von Systemen
Die folgenden Sessionen stellen verschiedene
technische und geschäftliche Modelle von Photovoltaikanlagen vor. Dazu
gehört beispielsweise das Contracting bei Grossanlagen, bei denen der
Betreiber einer Anlage den Gebäudebesitzer mit Strom beliefert. Auch
Anlagen an und über Infrastrukturen stossen auf vermehrtes Interesse,
insbesondere über Parkplätzen, dank neuen Fördermechanismen. Zudem
wird die weitere Entwicklung bei alpinen Grossanlagen sowie bei
Agri-Photovoltaik wird thematisiert.
Fachkräfte: Auf gutem Kurs
Eine Session ist dem Fachkräftebedarf für heute und
morgen gewidmet. Der notwendige Ausbau wird innerhalb der nächsten Jahre
fast zu einer Verdoppelung der Fachkräfte führen. Ein wichtiger Schritt
dazu war die Einführung der neuen Berufslehren, die bereits bei der
ersten Durchführung ab August des vergangenen Jahres mit 186
Lehrverträgen starten konnte.
Eigenverbrauch mit LEG und vZEV
Hinter den Abkürzungen verbergen sich - neben den
ordentlichen ZEV - die beiden neuen Modelle für Nachbarschaftsstrom,
nämlich «Lokale Elektrizitätsgemeinschaften» und «Virtuelle
Zusammenschlüsse zum Eigenverbrauch». Erstere sind ab 2026 zugelassen,
letztere wurden bereits zu Beginn dieses Jahres eingeführt. Die letzte
Session der Tagung widmet sich diesen neuen Betriebsmodellen, welche die
Wirtschaftlichkeit grösserer PV-Anlagen verbessern und gleichzeitig die
Netzbelastung reduzieren werden. Vorgestellt werden erste Beispiele und
die neu lancierte Informationsplattform lokalerstrom.ch.
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Über Swissolar
Swissolar ist der Schweizerische Fachverband für
Sonnenenergie. Er vertritt die Interessen von rund 1300
Verbandsmitgliedern mit über 11’000 Arbeitsplätzen in der
Öffentlichkeit, der Politik und gegenüber den regulierenden Behörden.
Die Sonne liefert der Schweiz jährlich 200-mal mehr
Energie als wir brauchen. 2024 lieferte Photovoltaik rund 11 % des in
der Schweiz verbrauchten Stroms. Swissolar setzt sich für die
Energiewende hin zu einer Energieversorgung ohne den Einsatz fossiler
oder nuklearer Energieträger ein. Strom und Wärme von der Sonne nehmen
dabei eine zentrale Stellung ein. Mehr Infos: www.swissolar.ch
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